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25. Jul 16 75100David

ist Milch │ sind Milchprodukte │ ungesund

Ist Milch ungesund oder gesund? Der Mythos um die Milchprodukte – Was stimmt den nun?

Hier und da hat man ja schon oft über die Vor- und Nachteile, gesundheitliche Benefits und auch Risiken von Milch und Milchprodukten gehört und gelesen. Da ich mich zu einem Großteil von Lebensmitteln wie Quark, Joghurt und Käse ernähre, dachte ich mir, dass sich eine genauere Betrachtung der Lage lohnen würde. Nachdem ich mich nun eine Woche lang durch zig Artikel und Studien durchgeforstet habe, kann ich es kaum erwarten, meine teilweise erschreckenden, fast schon verstörenden Kenntnisse hier zu teilen.

Inhaltsverzeichnis

    1. Milch Inhaltsstoffe
    2. Milch in der Natur
    3. Milch für den Menschen
    4. Pro Contra Milch?
      1. Ist Milch schädlich?
      2. Milchunverträglichkeit
    5. Mein Milch Fazit

 

Milch – Ihre Inhaltsstoffe & Bestandteile

Web

Quelle Daten: Max Rubner-Institut, Ernährungsphysiologische Bewertung von Milch und Milchprodukten und ihren Inhaltsstoffen, 2014

Den größten Anteil der Kuhmilch macht Wasser mit ca. 87% aus. Um die Verteilung der Nährwerte besser darstellen zu können, wird im Diagramm darauf verzichtet. Den Hauptbestandteil der enthaltenen Kohlenhydrate stellt die Laktose dar. Laktose ist in keinem anderen, natürlichen Lebensmittel vorhanden und wird auch als Milchzucker bezeichnet. Dazu kommen die Milchfette und Eiweiße. An Mineralstoffen und Spurenelementen hat die Milch vor allem Calcium, Zink und Jod in ordentlicher Menge zu bieten. Gerade das Calcium unterstützt die Entwicklung eines widerstandsfähigen Knochensystems und steht bei Milch-Befürwortern hoch im Kurs. Auch sind viele Vitamine enthalten, wobei die Vitamine B2 und B12 besonders vertreten sind, die z.B. wichtige Funktionen für den Stoffwechsel und das Nervensystem erfüllen.

Milch in der Natur – Vorkommen und Nutzen vor dem Menschen

In der Natur dient die Milch ausschließlich Säugetieren als Ernährung für ihre Neugeborenen. Mit der Milch erhält der Nachwuchs alles, was ein kleiner Körper zum Wachsen und Gedeihen braucht; also Kohlenhydrate, Fette, Eiweiße, Mineralien, Nährstoffe, Vitamine und Wasser. Eine Mutter – egal, ob Mensch oder Tier – produziert auf natürliche Art und Weise noch eine ganze Zeit lang nach der Geburt diese wertvolle Muttermilch, bis das Neugeborene fähig ist, andere Nahrung aufzunehmen. Sobald der Säugling weit genug entwickelt ist, wird die Milchzufuhr bis auf null reduziert und die Ernährung voll auf andere Nahrungsmittel umgestellt. Wir Menschen sind die einzigen Säugetiere, die auch im Erwachsenenalter Milch konsumieren.

Milch, ihre Verwendung und der Nutzen für den Menschen heute

Wir Mitteleuropäer stehen auf der Liste des internationalen Milchkonsums mit ganz oben. Auch in Deutschland gelten Milch und Milchprodukte als beliebte Lebensmittel. Wir gehören mit einem durchschnittlichen Verzehr von 85 Kilogramm Milcherzeugnissen pro Jahr zu den Ländern mit dem meisten Milchkonsum, sodass Milchprodukte ca. ein Viertel unserer täglichen Ernährung ausmachen [1] – das kommt bei mir auf jeden Fall hin. Dazu zählen beispielsweise H-Milch, Quark, Joghurt, Käse, Frischkäse, Rahm, Mayonnaise und Butter. By the way: Um ein Kilogramm Butter herzustellen, benötigt es ganze 22 Liter an Milch [2]. Außerdem beinhalten viele Lebensmittel den Milchzucker Laktose, in denen wir es gar nicht vermuten würden. Dazu gehören Wurstwaren wie Mortadella, Fertiggerichte wie Pizza oder Suppen, Senf und sogar Kosmetikprodukte wie Zahnpasta. Halten wir also fest, dass die Milchindustrie einen riesengroßen Wirtschaftszweig darstellt mit einer jährlichen Weltmilchproduktion von ca. 700 Millionen Tonnen. Für Deutschland als größten Milchproduzenten der EU gilt die Milchindustrie als wichtigste Einnahmequelle der Landwirtschaft [3].
Anders als in der Natur wird die Milch von uns Menschen in jedem Lebensalter konsumiert. Es scheint, dass die Milch eine gute Nährstoffquelle darstellt und auch über das Kleinkindalter hinaus ohne Bedenken getrunken oder als Milchprodukte zu sich genommen werden kann, wie es vielerorts angepriesen und umworben wird. Teilweise wird sie sogar als essentiell und unersetzlich dargestellt. Das Werbebudget ist enorm. Allein in Deutschland wurden 2011 für Milchproduktewerbung über 300 Millionen Euro ausgegeben, dreimal mehr als z.B. für Fleischprodukte [4]. Sie wird als natürlich, bekömmlich und schmackhaft empor gehoben, natürlich von den besten und glücklichsten Kühen.

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Foto by Ryan McGuire

Da wir Menschen so viele Milchprodukte konsumieren, würde eine natürliche Landwirtschaft nie ausreichen, um der immense Nachfrage gerecht zu werden. Nicht nur das Schwein, auch die Kuh leidet unter den Folgen der Massenproduktion. Die Milch und Milchprodukte, die wir heutzutage in den Regalen finden, haben als Endprodukt tatsächlich recht wenig mit der propagierten „natürlichen Kraftquelle“ zu tun, sondern stellen das Ergebnis zahlreicher Zuchtmechanismen und Bearbeitungsprozesse dar. Allein deshalb lohnt es sich, die Frage zu stellen, ob denn die PRO-Milch-Propaganda der Unternehmen wirklich das hält, was sie verspricht: Die Milch als ein gesundes und natürliches Lebensmittel für den Menschen?!

Milch – Pro & Contra

Mittlerweile gilt Milch wohl als das meist umstrittenste Lebensmittel überhaupt. Wer kennt nicht noch die Alliteration aus dem Deutschunterricht: „Milch macht müde Männer munter“? Auf solche und andere Slogans bin ich während meiner Recherche gestoßen. Im Internet stehen Überschriften wie „Milch für starke Knochen“ und „Milch macht schlank“ direkt neben solchen wie „Milch erhöht das Sterblichkeitsrisiko“, „Milch verursacht Krankheiten“ und „Milch macht krank und fett“. Was ist dran an diesen kontroversen Aussagen? Was soll man denn nun glauben?

Ist Milch schädlich? – Das Dickicht der Studien & Expertenmeinungen

Tatsächlich gibt es zahlreiche Studien zum Thema Milch in Verbindung mit Krankheit und Gesundheit. Befürworter der Milch existieren en masse. In entsprechenden Studien werden aber leider meistens nur einzelne Bestandteile der Milch isoliert betrachtet und nicht die Milch als Ganzes. Auch weiterführende Milch-Studien lassen auf sich warten. So stützen die Befürworter ihre Argumentation gerne auf das Calcium, was wichtig ist für die Knochen. Was an sich stimmt, wird aber dann nicht weiter gedacht.
So hat eine Studie beispielsweise auch gezeigt, dass eine hohe Calciumzufuhr auch zu einem erhöhten Prostatakrebsrisiko führen kann [9]. Das American Institute of Cancer Research zählt gleich mehrere Studien auf, bei denen ein signifikant höheres Prostatakrebsrisiko nach höheren Milch- und Milchproduktekonsum aufgefallen ist [10]. Stark vernachlässigt werden auch Untersuchungen zu tierischen Hormonen in „Massenmilch“ und deren Wirkung auf den menschlichen Körper. In Massenbetrieben werden Kühe an 365 Tagen im Jahr gemolken. Diese Tiere werden für eine vermehrte Milchproduktion stetig schwanger gehalten, was zu einer unnatürlich hohen Anreicherung von Hormonen wie Östrogen oder Progesteron in der Milch führt. Generell sind Studien aber Mangelware.
Auch Milchgegner stützen ihre Aussagen auf eine Vielzahl von Studien, die den Testgütekriterien nur mehr oder weniger gerecht werden. So gibt es Untersuchungen, die generell nachweisen, dass tierische Produkte Krankheiten wie Krebs, Diabetes, Bluthochdruck und Akne unterstützen können (Siehe Ratgeber Gesunde Ernährung). Bekannt ist hier vor allem die „The China Study“, welche in Bezug auf Milch auch gerne genannt wird.
Da das monetäre Ausmaß der Milchwirtschaft enorm ist, hat dies entsprechende Auswirkungen auf eine Meinungsbildung. Zudem sind viele Befürworter konservativ eingestellt und lassen sich von ihren festen Überzeugungen wie „Milch ist gut fürs Wachstum!“ kaum abbringen. So kommt es teilweise auch zu Widersprüchen, z.B. in der Milch-für-starke-Knochen-These:
Milch wird aufgrund ihres hohen Calcium-Gehalts vor allem mit starken Knochen und der Vorbeugung von Osteoporose in Verbindung gebracht. Milch enthält tatsächlich mit 1200 mg pro Liter recht viel Calcium. Glaubt man der These, müssten also in Ländern mit hohem Milchkonsum wie bei uns in Deutschland auch geringe Osteoporose-Raten (Knochenschwund) vorliegen. Nun ist aber das Gegenteil der Fall, sodass Osteoporose in Ländern wie Japan und China, in denen in der Vergangenheit traditionell weniger Milchprodukte auf dem Speiseplan standen, weniger auftritt. Gründe dafür können vielfältig sein. Zum einen bedeutet ein hoher Calcium-Gehalt eines Lebensmittels nicht gleich, dass dies auch vom Menschen gut aufgenommen werden kann. Calcium aus Rosenkohl kann vom Körper deutlich besser aufgenommen und verarbeitet werden [2]. Außerdem spielen auch Bewegung und Vitamin D eine entscheidende Rolle für starke und stabile Knochen, was die Studienergebnisse in Hinblick auf unseren bewegungsarmen Alltag außerdem erklären könnte. Also: nicht immer gleich alles glauben, was man so liest!
Ein weiterer Widerspruch: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) bestätigt die bestehende Studien zum erhöhten Krebsrisiko durch Milchkonsum, empfiehlt aber dennoch Milch in ihren zehn goldenen Ernährungsregeln für die tägliche Zufuhr, ohne auf eventuelle Risiken hinzuweisen [4].
Hier stellt sich die Frage, warum denn ausgerechnet Milch getrunken werden soll, wenn eben diese Risiken und Zusammenhänge noch gar nicht richtig erforscht sind? Wie schon beschrieben, kann Calcium beispielsweise vom menschlichen Körper viel effizienter aus dunklem Gemüse wie Rosenkohl oder Brokkoli verwertet werden. So lässt sich auch die Aufnahme von gesättigten Fettsäuren aus dem Milchfett vermeiden. Das Vitamin B12 kann alternativ aus dem Verzehr von Fisch gewonnen werden, welcher auch die „gesünderen“, ungesättigten Fettsäuren enthält. Auch Vitamin B2 ist in vielen anderen Nahrungsmitteln wie Nüssen, Früchten oder Vollkornmehl vorhanden und bietet so eine ganze Bandbreite an Alternativen.
Also: nicht immer gleich alles glauben, was man so liest! Hoher Milchkonsum führt demnach nicht automatisch zu weniger Osteoporose und eine starke Knochenstruktur kann auch auf andere Parameter zurückzuführen sein – ganz abgesehen von Milch und Milchprodukten.

Milchunverträglichkeit & Laktoseintoleranz

Als Säuglinge verfügen wir Menschen in ausreichenden Mengen über das Enzym Laktase, das den Milchzucker Laktose im Dünndarm in seine Bestandteile spaltet. Im Laufe unserer Lebensjahre geht die Produktion dieses Enzyms zurück. Manche Bevölkerungsgruppen haben sich im Laufe der Evolution an den Verzehr von Milch- und Milchprodukten angepasst, der vor ein paar tausend Jahren noch als Notfalllösung galt. Konnte eine Mutter ihr Neugeborenes nicht stillen und der Bedarf auch nicht durch eine Amme gedeckt werden, bediente sich der Mensch der Milch der Kuh. Dass Milch als Lebensmittel für erwachsene Menschen gilt, wird von vielen „Milch-Gegnern“ als unnatürlich angesehen. Andere behaupten wiederum, dass die genetische Anpassung Beweis genug sei, dass sich Milch durchaus für den menschlichen Ernährungsplan eignet. In Deutschland leiden ca. 15% der Bevölkerung unter einer Laktose-Intoleranz [1]. Durch das fehlende Enzym gelangt die Laktose unverdaut in den Dickdarm und wird dort von Bakterien vergoren, was u.a. zu Blähungen, Bauchschmerzen und Sodbrennen führt.
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Quelle: http://www.ucl.ac.uk/mace-lab/resources/glad

In der Grafik erkennt man die Verteilung der Laktasepersistenz (Fähigkeit, den Milchzucker Lactose zu verdauen). Diese findet man häufiger in Nord- und Zentraleuropa, Westafrika, der Arabischen Halbinsel und Pakistan. In Süd- und Osteuropa nimmt sie deutlich ab. Große Teile von Asien und Australien können kaum Lactose verdauen.

Mein Milch-Fazit

Was können wir nun aus diesen widersprüchlichen Fakten und Thesen lernen? Zu allererst möchte ich appellieren, dass man nicht alles glauben sollte, was man liest. Das Internet bietet heutzutage unendliche Möglichkeiten der Informationsverbreitung – und eben auch des gefährlichen Halbwissens. Sätze wie „Es ist schon erstaunlich, dass es die Milchindustrie mit Hilfe korrupter Wissenschaftler schaffte, das ungesündeste aller Nahrungsmittel in weiten Kreisen der Bevölkerung das Image eines gesunden und besonders wichtigen Nahrungsmittels zu verschaffen. Der Trick dieser Wissenschaftler, die von der Milchindustrie bezahlt werden, ist es, jede der vielen Studien, die die gesundheitlichen Gefahren von Milch zeigen, einfach in Zweifel zu ziehen […]“ findet man häufig auf Internetseiten von Reformhäusern und Pro-Vegan-Webseiten, die genauso kommerzielle Zwecke verfolgen wie die Milchindustrie selbst [7].
Dennoch haben mich diese vielen Studien und Artikel zum Grübeln gebracht, ob meine sozialisationsbedingte Einstellung (sind wir doch mal ehrlich: schon in der Grundschule kam morgens der Milchlieferant) zu Milch- und Milchprodukten die richtige ist. Anscheinend ist Milch eben nicht das Wundermittel, für das ich es lange Zeit gehalten habe. Als Sportlerin achte ich auf eine ausreichende Eiweißzufuhr, die ich gerne durch die enthaltenen Proteine im Quark abdecke. In „Fitness-Kreisen“ zählen nämlich Milchprodukte wie Quark, körniger Frischkäse und Joghurt zu beliebten Lebensmitteln mit positiven Eigenschaften für den Muskelaufbau und die Fettreduktion. Es bleibt jedoch festzuhalten: auch andere Nahrungsmittel können die Zufuhr von Proteinen und Kalzium ausreichend abdecken. Milch ist definitiv kein essentielles Lebensmittel für den Menschen, das zum Überleben benötigt wird.
So habe ich mich nun also entschlossen (übrigens auch schon vor meinen Recherchen), für mindestens drei Wochen im Selbsttest auf Milch- und Milchprodukte zu verzichten. Ich bin sehr gespannt, welche Auswirkungen sich auf meine Figur und mein Wohlbefinden bemerkbar machen bzw. ob sich überhaupt etwas verändert.

Author: Elisa Dambeck – Fitness Professional

Hier das Video aus Quelle 4. Ein NDR Beitrag über die Milch-Lüge:

Quellen
[1] www.zeit.de/zeit-wissen/2006/01/Milch.xml
[2] www.tier-im-fokus.ch/info-material/info-dossiers/milch/
[3] www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2014-01/milch-landwirtschaft-china-deutschland
[4] www.youtube.com/watch?v=3YyP2JfB2ps (NDR Beitrag)
[5] Timothy J Key, Gary E Fraser, Margaret Thorogood, Paul N Appleby, Valerie Beral, Gillian Reeves, Michael L Burr, Jenny Chang-Claude, Rainer Frentzel-Beyme, Jan W Kuzma, Jim Mann and Klim McPherson: Mortality in vegetarians and nonvegetarians: detailed findings from a collaborative analysis of 5 prospective studies. In: American Journal of Clinical Nutrition September 1999, Volume 70, Issue 3, S. 516–524.
[6] www.dge.de/ernaehrungspraxis/vollwertige-ernaehrung/10-regeln-der-dge/
[7] www.provegan.info/de/studien/detailseite-studien/dr-med-john-mcdougall-milch-und-milchprodukte-sind-die-ungesuendesten-nahrungsmittel-milchpro/
[8] www.gesuender-durchs-leben.de/das-21-tage-prinzip/
[9] www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9458087
[10] www.aicr.org/assets/docs/pdf/reports/Second_Expert_Report.pdf, S. 129ff.
[11] http://news.harvard.edu/gazette/2006/12.07/11-dairy.html

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